Dienstag , 16. Oktober 2018

Cheerleading und Cheerdance

Wenn Leute von Cheerleading reden, haben wir vermutlich erstmal das Bild eines blonden Mädchens aus den USA in mageren Klamotten auf einem Rasenfeld im Kopf, die mit Requisiten – wie zum Beispiel Pompoms – das American Footballteam ihrer Highschool anfeuert und dabei vermutlich auch noch über ihre eigenen Füße stolpert. Doch was ist an dieser Vorstellung wahr und was ist frei erfunden?

Tatsächlich entstand das Cheerleading in den USA bei einem American Football Endspiel zwischen dem Team der University of Minnesota und dem der Northwestern University im Jahre 1898, wo erstmalig organisierte Anfeuerungsrufe des Publikums zu hören waren. Jedoch waren es damals nicht die zierlichen, hübschen, blonden Mädchen, die durch lautes Rufen und auffällige Bewegungen auf sich aufmerksam machten, sondern Männer, da sie die lauteren, tieferen und geeigneteren Stimmen besaßen, um die Aufmerksamkeit der anderen Zuschauer zu erregen. Damals verteilten sie sich auf der Tribüne und standen zwischen den anderen Zuschauern. So war das Cheerleading geboren.

Cheerleading – ein reiner Frauensport?

Abbildung: 756967564 WoodysPhotos / Shutterstock.com

Es waren nicht nur die Männer, die das Cheerleading erfanden, sondern auch die, die den Sport bis ins Jahre 1980 fortführten. Damals hatte die Einbringung der Frauen viel mit der Emanzipationsbewegung der 60er und 70er Jahre zu tun, denn von da an galten Frauen als selbstbewusster, stärker und respektwürdiger. Obwohl sie in diesen frühen Jahren noch nicht wirklich als Cheerleader angesehen und eher skeptisch beäugt wurden, sind Frauen nun in jedem Team vorhanden. Der Sport Cheerleading wird in der Gesellschaft mittlerweile als Frauensport gesehen, trotz der stolzen Anzahl an männlichen Teilnehmern.

In den USA hat noch immer jede Highschool und jedes College ein eigenes Team, die das Football- oder Basketballteam unterstützen, indem sie das Team in den Pausen oder in kurzen Auszeiten anfeuern und die Zuschauer wieder aufwecken, um dem Team zu applaudieren, zu zurufen etc. Trotz alldem sehen die Cheerleader selber die Auftritte zum Spaß und nehmen die eigenen Meisterschaften mehr ernst, denn Cheerleader haben ihre eigenen regionalen, nationalen und internationalen Meisterschaften, bei denen sie bedeutende Preise für ausgezeichnetes Auftreten gewinnen können.

Der Leistungssport in Deutschland

In Deutschland gibt es dafür zwei große Verbände. Der erste wurde im Jahre 2003 gegründet, nennt sich Cheerleadervereinigung Deutschland (CVD) und zählt ungefähr 5.000 Mitglieder. Der andere Verein nennt sich Cheerleading und Cheerdance Verband Deutschland (CCVD), gründete sich vier Jahre später, im Jahr 2007 und besteht aus rund 15.000 Mitgliedern. Obwohl der CVD einige Jahre zuvor gegründet wurde, treten im CCVD also erstaunlicherweise weitaus mehr Cheerleader an. Außerdem werden weniger für den Erfolg der Teams bedeutende Meisterschaften von Marken oder zusätzlichen Trainingsverbänden gestellt, die den Teams Spaß bringen und gleichzeitige Belohnungen für eine gute Leistung. Meisterschaften finden in großen Hallen statt, aber vereinzelt auch in Freizeitparks, wie zum Beispiel die Elite Cheerleading Championships im Movie Park in Bottrop.

Abbildung: 407344651 Lopolo / Shutterstock.com

Die Teams werden unterschieden nach Alter, Level und Form des Cheerleadings. Zu aller erst gibt es drei Alterskategorien, die sich je nach Verband oder Organisation unterscheiden. Die jüngste Kategorie nennt man in der Fachsprache Peewees, diese gehen meistens ungefähr vom fünften Lebensjahr bis ins zwölfte Lebensjahr. Ab da können die kleinen dann zu den älteren wechseln, zu den Juniors. Diese Altersklasse beginnt im CVD ab dem zwölften Lebensjahr und im CCVD ab dem elften Lebensjahr. Beide Verbände schließen diese Altersklasse für siebzehnjährige, jedoch kann man im CCVD schon mit vierzehn Jahren zu der ältesten Altersklasse wechseln. Zu den sogenannten Seniors. Im CVD beginnt diese Altersklasse zwei Jahre später, mit 16 Jahren. Von da an gibt es keine Begrenzung, ab wann man zu alt für den Sport ist, jedoch hören die meisten Cheerleader spätestens zum dreißigsten Lebensjahr auf. Außerdem gibt es zwei verschiedene Formen des Cheerleadings. Zum einen gibt es das normale Cheerleading, welches auch ein wenig populärer ist und sich durch die akrobatischen Elemente auszeichnet. Die Teams werden, je nach Altersklasse, in verschiedene Levels eingeteilt. Pro Altersklasse gibt es drei Level die sich in ihrer Schwierigkeit der akrobatischen Elemente unterscheiden. Zum anderen gibt es das Cheerdance, welches sich mehr auf eine Abfolge von tänzerischen Elementen konzentriert, verschiedene Drehungen und Sprünge einbaut. Im Cheerdance gibt es drei weitere Kategorien; Freestyle (Pom-dance), bei dem die Tänzer ihre Performance mit Pompoms abliefern und schnelle, zackige Bewegungen zeigen und bei dem außerdem eine positive Ausstrahlung im Vordergrund steht. Dann gibt es noch Hip-Hop, welches mit normalen Hip-Hop Tanzgruppen zu vergleichen ist, und Jazz. Jazz ist ebenfalls mit andern Tanzgruppen zu vergleichen, die sich der gleichen Kategorie zuordnen, denn es prägt sich besonders durch die langsamen, zärtlichen Bewegungen und die passende Musik.

Das Publikum zum Beifall führen

Ein erfolgreiches Team benötigt Mitglieder, die akrobatisch und rythmisch begabt sind, außerdem müssen die Mitglieder stark sein, eine gute Ausdauer besitzen und gedehnt sein. Jedoch bewertet die Jury bei Meisterschaften nicht nur die reine Leistung, sondern ebenfalls die Ausstrahlung, unter Cheerleadern auch als Spirit bekannt. Der Spirit soll die Leute zum aufmerksamen Zuschauen und anfeuern anregen, denn auch wenn sich das Cheerleading in den Jahren weit entwickelt hat, hat es die ursprüngliche Bedeutung nicht verloren, wie der Name uns sagt, denn das Wort Cheerleading besteht aus den englischen Worten cheer = „Beifall“ und to lead = „führen“. Man könnte es genauer mit den Worten „Das Publikum zum Beifall führen.“ übersetzen.

Ein Cheerleadingprogramm / -choreografie dauert zweieinhalb Minuten und enthalten müssen sein: Stunts, bei denen eine bis vier Personen (die sogenannten Bases) meistens ein Mädchen halten (Flyer), welches auf dem Stunt steht und ihre Gruppe repräsentiert. Sie kann auf verschiedenen Höhen stehen und zeigt unterschiedliche Figuren.  Außerdem gehört in eine Choreographie das Tumbling, das an das Bodenturnen anlehnt und zudem akrobatische Bewegungen wie Handstände, Räder, Flickflacks, Saltos oder Schrauben gehören. Das Tumbling wird auch oft mit Jumps verbunden. Jumps sind Sprünge, bei denen man die Beine und Arme in bestimmten Positionen hochzieht und dann oft direkt nach der Landung einen Flickflack oder einen Salto zeigt. Zwischendurch werden im Programm sogenannte Motions gezeigt, die entweder den Spirit erhöhen sollen, indem sie bei Formationswechseln (von einem Teil der Choreographie zu einem anderen wechseln) eingebaut werden oder sie werden aneinandergehangen und mit verschiedenen Bewegungen der Beine verbunden, damit eine kleine Tanzeinlage entsteht. In ein Programm gehören auch Basket Tosses, bei denen der Flyer von den Bases, die ihre Hände zu einem Korbmuster verschränken, hochgeworfen wird und verschiedene Bewegungen ausführt. Wenn sich mehrere Stunts nah aneinanderstellen und sich außerdem an den Armen festhalten, entstehen Pyramiden. Durch die Verbindung der Stunts können schwerere Elemente gezeigt werden, da es den Flyern einfacher fällt, stehen zu bleiben und sie zum Beispiel bei Saltos geführt werden.

Gemeinsam zum Erfolg

Abbildung: 405565441 Lopolo / Shutterstock.com

Beim Cheerleading steht das Team im Vordergrund. Um einen Stunt zu bauen, müssen alle ihren Teammitgliedern vertrauen können, da ein hohes Verletzungsrisiko besteht. Würde ein Flyer von oben runterstürzen, würde er mit dem Risiko fallen, sich Knochen zu brechen, weshalb er den Bases vertrauen muss, dass sie ihn auffangen. Aber auch die Bases müssen dem Flyer vertrauen können, denn auch für sie ist das Verletzungsrisiko hoch. Es passiert schnell, dass man die verschiedensten Körperteile des Flyers ins Gesicht bekommt, wenn er fällt. Außerdem ist es wichtig, dass alle Mitglieder an einem Strang ziehen und ihr Bestes geben, damit als Team die bestmögliche Leistung erbracht werden kann!

Das Ziel eines jeden Cheerleadingteams ist das sogenannte Hit Zero, das bedeutet, dass alle Stunts und das gesamte Tumbling so sauber ausgeführt wurde, dass nichts gedropt, also gefallen ist und alles mit Sicherheit gestanden hat.

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